Lost, Found, and Free: How Traveling Breaks You Open and Puts You Back Together.

Verloren, gefunden und frei: Wie das Reisen dich bricht und wieder neu zusammensetzt.

Eine Reise hat die Angewohnheit, dich zu zerstreuen. Du steigst in ein Flugzeug, einen Zug oder ein Boot und denkst, du würdest dich einfach durch verschiedene Orte bewegen, aber bald wird dir klar, dass die Reise geradezu durch dich hindurchgeht. Die flüchtigen Begegnungen, das unausgesprochene Verständnis von Fremden, die stillen Akte der Freundlichkeit – sie alle sickern in dein Wesen ein und verändern die Art und Weise, wie du dich bewegst, wie du die Dinge siehst, wie du dich fühlst.

Dieser Blogbeitrag ist etwas persönlicher. Einige von euch wissen, wie sehr ich das Surfen liebe und wie ich es liebe dem Winter zu entfliehen, um in der Nähe des Ozeans zu sein. Reisen und unterwegs sein bringt mich immer näher zu mir selbst, macht mich weicher, lässt mich mehr fühlen. Deshalb wollte ich dieses Mal etwas Reineres teilen, etwas, das sich wie ein Tagebucheintrag anfühlt – denn diese Art von Reisen sind immer die, die mich am meisten nähren und verändern.

In letzter Zeit habe ich mehr Zeit außerhalb von Berlin verbracht als in der Stadt selbst. Manche würden sagen, ich renne weg, andere würden sagen, ich mache langsam Schluss mit der Stadt. Ich liebe es, unterwegs zu sein, aber natürlich erschöpft es mich auch. Ich bin ein extrovertierter Introvertierter – ich brauche meinen Freiraum, meine Einsamkeit. Wenn ich ständig unterwegs bin, fehlt mir öfter die Zeit zum Auftanken. Die Planung dieses Surftrips kam mir vor wie eine absolut unüberwindbare Aufgabe (ja, ich weiß – Luxusprobleme) und fast hätte ich fast alles gecancelt. Das vergangene Jahr hatte mich ausgelaugt. Die endlose Arbeit, das Reisen, der volle Terminkalender, der noch vor mir lag. Mich einzuschließen und mich versuchen auf meine To-do´s zu konzentrieren, schien die einzige Option zu sein. Mein Therapeut hätte es eine absolute Katastrophe genannt, aber es schien mir der sicherste Weg, mit der Erschöpfung umzugehen und trotzdem weiter zu leisten.

Und doch – Achtung Spoiler – war es die beste Entscheidung, in dieses Flugzeug zu steigen. Seit meiner Ankunft habe ich genau das Gegenteil von dem getan, was ich geplant hatte. Ich habe losgelassen. Ich habe mir erlaubt, einfach zu sein. Kein Druck, keine Erwartungen. Und wie sich herausstellte, war es genau das, was ich gebraucht habe: aufhören, so krampfhaft festzuhalten und wieder anfangen mich fürs empfangen zu öffnen.

Du denkst, du bist nur auf Reisen, um zu erkunden, aber dein Schatten reist die ganze Zeit mit. Die Ängste, die früheren Versionen deiner selbst, die Wunden, von denen du dachtest, sie seien verheilt – sie tauchen ungebeten auf, in ruhigen Momenten, wenn es nichts mehr gibt, was dich ablenken könnte. Und erst dann fängst du an zuzuhören.

Ich hatte absolut keinen Plan für diese Reise (außer Surfen und Arbeiten). Keine konkreten Ziele. Wie ich schon sagte, war ich vor der Abreise so überwältigt und auch noch sehr krank, dass es sich wie die größte Errungenschaft angefühlt hat, es überhaupt ins Flugzeug zu schaffen. Aber ich wusste, dass ich aus diesem Stresskreislauf ausbrechen musste. Ich musste aufhören, mir so viele Gedanken über meinen Zeitplan zu machen, für einen Moment Abstand von meinem Label zu nehmen und wirklich auf meinen Körper hören, bevor er mich ein weiteres Mal dazu zwingen wird. Früher war ich eine absolute Expertin für Burnout – ich habe gepushed und gepushed, bis ich am Ende komplett zusammengebrochen bin, und mich dann gewundert, warum ich mich so elend fühlte. Es war eins meiner Muster, das mir früher oft geholfen hat, aber heute eben nicht mehr. Wenn ich alles erreichen will, was ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe, muss ich jetzt zuerst auf mich selbst achten.

Und hier bin ich nun und lasse vollkommen los. Ich ignoriere unerledigte Aufgaben, lasse Nachrichten unbeantwortet (tut mir leid), bin präsent, schaue mir Sonnenuntergänge mit einem Bier in der Hand an, verliere den Überblick über die Tage, flirte, lache, atme. Ich treffe Menschen, die mich daran erinnern, wie gut es sich anfühlt, ohne Zögern mein Herz zu öffnen. Ich sehe zu, wie die Sonne hinter dem Horizont versinkt und merke – ausnahmsweise –, dass ich nicht darauf warte, dass etwas anderes beginnt. Ich treibe im Ozean, gebe mich den Wellen hin, leiste keinen Widerstand mehr, sondern vertraue darauf, dass die Flut mich gerade dorthin trägt, wo ich hin muss.

Auf meinen Reisen treffe ich immer wieder Menschen, die mich auf die beste Art und Weise prägen. Ich lerne etwas Neues oder lasse endlich etwas Altes los. Diesmal geht es darum, mich hinzugeben und zu flown, endlich mein Herz wieder zu öffnen. Alles so zu nehmen, wie es kommt, ohne es zu Labeln. Und mein Gott, es fühlt sich gut an – ich hatte fast vergessen, dass ich dazu fähig bin. Ich bin im völligen Fluss.

Und natürlich folgt jetzt, da ich im Flow bin, eben auch alles andere. Mein Surfen, meine Verbindungen, meine Happiness. Es ist verrückt, wenn ich daran denke, wie weit ich gekommen bin – vor Jahren habe ich noch in einer tiefen Depression festgesteckt, saß in der Klinik und konnte mir keine Zukunft mehr vorstellen. Und doch bin ich hier, lebendig, immer mehr am aufblühen und unendlich dankbar für das Leben, das ich mir aufgebaut habe (natürlich mit viel Hilfe).

Folgendes nehme ich aus diesem Trip mit: Eines Tages wachst du auf und etwas fühlt sich einfach anders an. Die Enge in deiner Brust hat sich gelockert, die Mauern um dein Herz sind weicher geworden. Du klammerst dich nicht mehr an Dinge, die nie für immer für dich bestimmt waren. Reisen gibt dir nicht immer Antworten, aber es verändert dich, bricht dich und setzt dich wieder neu zusammen. Stück für Stück, Stadt für Stadt, Welle für Welle. Und irgendwo auf dem Weg wirst du, ohne es überhaupt zu merken, zu einem neuen Menschen. Jemand, der leichter und mutiger ist. Jemand, der endlich keine Angst mehr hat, wieder zu lieben.

Hast du deine nächste Reise schon geplant?

xx baj.

 

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